So, wie es auf den beiden Kartenausschnitten zu sehen ist, zeigte sich das kleine Dorf Bockwa unseren Vorfahren Anfang des 17. Jahrhunderts.
Bockwa war nicht größer als das Nachbardorf Vielau, wo die Sarferts immerhin schon über vier Generationen siedelten. Das tägliche Leben war zu
dieser Zeit sicherlich auch ein Kampf ums Überleben, denn es herrschte Krieg in Europa. Den Mächten ging es um Vorherrschaft und Glauben
und ihre Kriegshandlungen verursachten Hungersnöte und Seuchen, verheerten und entvölkerten ganze Landstriche und brachten viel Elend.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wütete, bis mit dem Westfälischen Frieden endlich wieder Ruhe einkehrte. Den Alltag bestimmten
Fischfang in der Mulde, Holzwirtschaft und Ackerbau und Viehzucht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Zu dieser Zeit steckte die Nutzung
der Kohle noch in den Kinderschuhen. Sehr zum Vorteil war sicherlich die unmittelbare Angrenzung an die reiche Stadt Zwickau.
Schauen wir auf CHRISTOPH SARFERT (4), welcher um 1580 in Vielau geboren wurde. Er hatte es zu was gebracht, war als begüterter
Einwohner und Richter über Vielaus Grenzen hinaus bekannt. Kurz nach dem Tod seiner ersten Frau Maria heiratete er am 5.3.1634 noch ein
zweites Mal: Maria Kästner, Witwe des Tobias Kästner. Sie stammte aus Bockwa und war sicherlich nicht unvermögend, was allein schon ihr Name
Kästner zu vermuten lässt. Auch die Tatsache, dass CHRISTOPH drei Jahre nach der Hochzeit, also 1637, zwei Güter kaufte, zeigt den vorhandenen
Wohlstand der Familie Sarfert in Vielau. Er erwarb für 347 Gulden das �untere Gut� des Matz Hahn, der bey diesem Kriegswesen umb all das Seine
gekommen, und von Wenzel Meurers Witwe und Erben das �obere Gut�. Aus seiner ersten Ehe mit Maria Meurer gingen zwei Söhne hervor,
ANDREAS (6) und CHRISTOPH (7). Nach dem Tod des Vaters erfolgte am 6.6.1642 die Erbteilung. ANDREAS erhielt das �untere Gut� und
CHRISTOPH das �obere Gut� in Vielau.
Wegen Christophs Heirat mit der Kästner-Witwe, knüpften die Sarferts aus Vielau nun auch Beziehungen nach Bockwa; denn auch Sohn
CHRISTOPH (7) heirate am 11.11.1646, vier Jahre nach dem Tod seines Vaters, eine Maria Schmidt aus Bockwa. Noch im Jahr der Hochzeit
kaufte der Bräutigam von seinem Schwiegervater Georg Schmidt, einem begüterten Einwohner und Richter aus Bockwa, das dortige �Obergut�
für 340 Gulden und 15 Jahre später, 1661, für 795 Gulden das �Bockwaer Gut� des Zwickauer Bürgermeisters Wolfgang Reyer. Nun hatte
CHRISTOPH (7) zwei Güter in Bockwa. Sein Gut in Vielau wird er verkauft haben, denn er war nach Bockwa gezogen, wo er auch am 12. Oktober
1691 im hohen Alter von 74 Jahren starb.
CHRISTOPH SARFERT (7) hinterließ sieben Kinder, die alle in Bockwa geboren wurden. Seine beiden Söhne CHRISTOPH (9) und ANDREAS
(12) traten das Familienerbe an und sicherten es für zukünftige Generationen. Auch ihre Kinder, also CHRISTOPHS (7) Enkel, hielten an den Bockwaer
Gütern fest. Sie unterschieden sich nun nach �Älterer� und �Jüngerer� Ast der Familie Sarfert in Bockwa. Noch drei weitere Sarfert-Generationen
verblieben in Bockwa, bis sich Ende des 18. Jahrhunderts 12 Familienzweige bildeten, deren Glieder auch über Sachsen hinaus siedelten.
Zuletzt war es nur noch Friedrich Sarfert (516), dessen Familie 10 Generationen ununterbrochen in Bockwa beheimatet war.
Quellen:
- Stammtafel des Geschlechtes Sarfert in Bockwa von Else Wiede, 1924
- Neue Sächsische Kirchengalerie, die Parochien Bockwa und Schedewitz, Aug. 1901
- Sarfert-Familienarchiv
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