Alles wirkte auf uns sehr gelassen, manches dementsprechend auch etwas unorganisiert. So das Verhältnis
Autofahrer und Fußgänger. Da es nur wenige und wenn, dann auch nur sehr schmale Fußwege gab, hatten sich
alle Verkehrsteilnehmer auf der Hauptdurchgangsstraße entsprechend zu arrangieren. Doch es klappte bestens,
für uns anfangs kaum vorstellbar. Unsere Einkäufe wurden ebenfalls zu einem nicht mehr gekannten Erlebnis.
Überaus freundliches und zahlreiches Personal bediente uns in den oft sehr kleinen Läden und natürlich waren
da noch die verlockenden landestypischen Spezialitäten. Erinnert sei hier nur an Riesenmortadella in
hauchdünnen Scheiben, den wohlschmeckenden sardischen Schafskäse und an Vermentino de Sardenga,
einem köstlichen Weißwein. Der Einkauf wurde durch das Personal wie selbstverständlich in die kostenlosen
Plastiktüten gepackt. Auch über die in Italien unbekannte Pfandabgabe auf Dosen und Flaschen waren wir
nicht unglücklich. Die öffentlichen Plätze waren deshalb nicht unsauberer als bei uns zu hause auch. Beim
Tanken mussten wir ebenfalls nicht selbst tätig werden. Ein klassischer Tankwart erledigte alles zu unserer
Zufriedenheit. Auffällig waren die unterschiedlichen Ordnungshüter. Da gab es Carabinieri, Policia
Municipiale (Rathauspolizei, vergleichbar mit unseren Ordnungsamtspersonal) und Finanzpolizei. Alle in
entsprechenden Uniformen und nicht immer bei den Einheimischen beliebt. Bei einer Beerdigung war es z.B.
Aufgabe der Policia Municipiale die Straße zu sperren. Dadurch konnte der Trauerzug ungestört von der
Kirche bis zum außerhalb gelegenen Friedhof ziehen. Es ist dabei üblich, dass sich viele Stadtbewohner
dem Trauerzug anschlossen und dieser dadurch entsprechend lang war. Vor den Schulen wieder unformiertes
Personal, das den Ein- und Ausstieg der Schüler in Schulbusse oder den Wechsel von einer zur anderen
Straßenseite regelte und dadurch die Sicherheit der Schulkinder gewährleistete. „Eine tolle Idee, so könnte
auch in Deutschland für mehr Beschäftigung gesorgt werden,“ meinten wir.
Strandbesuche wurden am besten mit dem Auto erledigt. Überall fanden sich Wege zu einsamen Buchten und
Sandstränden. Das Wasser war glasklar und lud immer zum Schwimmen ein. Die Wassertemperatur mag bei etwa
21 Grad gelegen haben. An manchen Tagen gab es kaum eine Welle und wahrscheinlich hätte das die Karibik
nicht besser bieten können, denn hier waren sogar die Strandabschnitte oft menschenleer. Schön, dass die
Möglichkeiten einer Nachsaison bei den Touristen noch nicht so bekannt sind, die ja mehr auf Sonnengarantie
und Jubel und Trubel setzen. So genossen wir unseren Urlaub richtig und intensiv. Wir vermissten nicht bzw.
hatten nicht einmal einen Fernsehapparat, eine Zeitung oder ein Radio.
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